Futterhöflichkeit als Trainingsgrundlage

Sarah • 3. März 2024

Dieses Video zeigt ein Beispiel für Futterhöflichkeit hinsichtlich unterschiedlicher Kriterien (z.B. Dauer und unterschiedliche Reize)

Höfliches Verhalten sollte beim Pferd nicht situations- oder signalabhängig auftreten, sondern als kontextübergreifende Grundhaltung etabliert sein. Idealerweise fungiert die Anwesenheit des Menschen selbst als diskriminativer Hinweisreiz für ein respektvolles, kontrolliertes Verhalten.

Der Einsatz von Futterlob im Pferdetraining wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Häufig wird angenommen, dass das Füttern aus der Hand zwangsläufig zu unerwünschten Verhaltensweisen wie Aufdringlichkeit, Betteln oder Schnappen führt. Aus lerntheoretischer Sicht ist jedoch nicht die Methode an sich problematisch, sondern ihre fehlerhafte Anwendung. Unerwünschtes Verhalten entsteht in der Regel durch unklare Verstärkungskriterien oder mangelndes Training von Impulskontrolle. Richtig angewendet erhöht positives Verstärken – einschließlich Clickertraining – nicht die Aufdringlichkeit des Pferdes, sondern fördert gezieltes und kooperatives Verhalten.

Höflichkeit wird im Alltag häufig auf das Ausbleiben offensichtlicher Problembereiche reduziert, etwa dass das Pferd nicht nach Futter sucht oder den Menschen körperlich bedrängt. Versteht man Höflichkeit jedoch als beobachtbares Verhalten, umfasst sie deutlich mehr: Ein höfliches Pferd wahrt den Individualabstand, zeigt keine futterbezogene Eigeninitiative bei Annäherung des Menschen und bleibt unabhängig von der Position des Menschen (frontal, seitlich), der eigenen Bewegung (Stand, Schritt) oder dem Vorhandensein von Futter ruhig und ansprechbar.



Vorteile höflichen Verhaltens:

  • verbesserte Aufmerksamkeit und Aufgabenfokussierung
  • präzisere und konsistentere Kommunikation
  • beschleunigter Lernprozess durch klare Verstärkungskontingenzen
  • erhöhte Sicherheit im täglichen Umgang, auch für Personen ohne Trainingserfahrung
  • verbesserte Sicherheit bei der Arbeit an Trainingsgeräten
  • höhere Fairness durch klare, vorhersagbare Regeln
  • positive Außenwirkung
  • gesteigerte Trainingsmotivation und -qualität für Mensch und Pferd



Es gibt zahlreiche praktische Gründe, höfliches Verhalten im Kontext von Futterverstärkung gezielt zu trainieren:

  • Aufdringliches oder unkontrolliertes Futtererwartungsverhalten ist nicht nur sozial störend, sondern kann ein relevantes Sicherheitsrisiko darstellen. Was als harmloses Betteln beginnt, kann sich bei Frustration rasch zu aggressivem Verhalten entwickeln.
  • Pferde mit ausgeprägtem Bettelverhalten werden im Stallalltag häufig als problematisch wahrgenommen.
  • Stark futterfokussiertes Verhalten geht nachweislich mit verminderter Aufmerksamkeit für die eigentliche Trainingsaufgabe einher.
  • Inkonsistente oder unklare Fütterungsregeln erhöhen das Stressniveau des Pferdes.
  • Das Training höflichen Verhaltens fördert die Impulskontrolle und stellt damit eine zentrale Grundlage für weiterführendes Lern- und Bewegungstraining dar.